1960 bis 1969

Lisa Klier (36) war 1950 aus der Zone nach München gekommen. Sie hatte sich kürzlich verlobt und wollte im Oktober heiraten und dann mit der Prostitution aufhören. Lisa war als Tiger-Lilly bekannt. Sie wurde in der Tatnacht des 31. August 1960 von einem untersetzten Mann mit bräunlichem Trenchcoat angesprochen und ging mit ihm auf ihr Zimmer. Zwei Stunden später wurde sie von einer Kollegin halb entkleidet und erdrosselt aufgefunden. Um ihren Hals war ein Gummikabel geschlungen und neben ihr lag ein Buch mit dem Titel Der Würger. Die Hilfeschreie erstickte der Täter mit einem Kissen. Aus Lisas Geldbörse fehlten 80 Mark.

Frankfurt am Main. In einem Luxusappartement der Klingerstraße in Frankfurt ist am Neujahrsmorgen 1962 die 28jährige Prostituierte Elfriede Böhmer ermordet aufgefunden worden. Sie starb unter ähnlich mysteriösen Umständen wie die Rosemarie Nitribitt, die ebenfalls in Frankfurt ermordet wurde und deren Mörder von der Polizei noch immer nicht gefasst worden ist. Die ermordete Elfriede Böhmer wohnte in einem sechsstöckigen Appartementhaus, das sich neben dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft befindet und ausschließlich von 20 Frauen bewohnt wird, die alle der Prostitution nachgehen.

Stuttgart. Der 64jährige Ballettmeister Hans Storck wird am 22. Mai 1962 in seiner kleinen Separatwohnung in der Hegelstraße tot aufgefunden. Seine Leiche liegt unter einem Haufen Kleidungsstücke, zwischen denen der Täter ein heißes Bügeleisen versteckt hat, offenbar um Spuren zu vernichten. Die Feuerwehr entdeckt den Toten, nachdem Nachbarn Rauch bemerkt haben.
Die Obduktion zeigt deutliche Schlagverletzungen am Kopf, doch Storck starb durch Ersticken. Im Zimmer finden die Ermittler zwei Weingläser und eine leere Flasche Beaujolais; auf dem Etikett befinden sich fremde Fingerabdrücke. Außerdem fehlen Storcks heller Popelinemantel, sein Geldbeutel und sein Schlüssel.
Am Abend vor der Tat wurde Storck in einer Schnellgaststätte in der Fritz‑Elsas‑Straße gesehen, wo er mit einem jüngeren Mann Bier trank. Eine Zeugin beschreibt ihn als 23 bis 28 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß, schlank, mit dunklem gewelltem Haar, südländischem Typ, sprach deutsch und französisch. Storck nahm ihn gegen 23.35 Uhr mit in sein Zimmer. Der Vermieter sah beide eintreten – er war der letzte Zeuge, der Storck lebend sah. Vermutlich kam es zu einem Streit um Geld.
Die Ermittlungen verliefen erfolglos. Viele Zeugen starben im Laufe der Jahre, Lokale verschwanden, und Beweisstücke aus der Wohnung wurden später vernichtet. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

MITTIG

Bielefeld. Beim Mordfall Lydia Schürmann (13) handelt es sich um ein junges Mädchen aus St. Vit in Nordrhein-Westfalen, deren Leichnam im August 1962 erst Monate nach ihrem Verschwinden von einem Pilzsammler etwa 20 km von ihrem Wohnort entfernt bei Bielefeld gefunden wurde. Das Verbrechen ist bis heute nicht aufgeklärt. Aufsehen erregte der Fall, nachdem ab Juli 2006 mehrere anonyme Briefe des angeblichen Täters aufgetaucht waren, in denen dieser den Mord an Schürmann und später noch eine weitere Tat gestand, um nach eigener Aussage sein Gewissen zu erleichtern. Nachdem über zwei Jahre lang intensiv nach dem Briefschreiber gefahndet worden war – unter anderem wurde im Sommer 2007 auch in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst nach dem Mann gesucht – stellte sich Ende 2008 heraus, daß der Verfasser der Briefe ein 34jähriger Mann aus dem Saarland war, der mit den Morden nichts zu tun hatte und aufgrund seines Alters auch nicht haben konnte.
Lydia Schürmann lebte in St. Vit (heute Rheda-Wiedenbrück), und verschwand am 26. April 1962. Das 13jährige Mädchen hatte an diesem Tag nach einem Streit mit ihrer Mutter Hausarrest erhalten und war aus dem Fenster ihres Zimmers geklettert, um von zu Hause fortzulaufen. Nach Aussage eines belgischen Lastwagenfahrers, der sie als Anhalterin mitgenommen hatte, wollte sie nach Frankreich reisen. Der Fahrer hatte sie bis zur niederländischen Grenze nach Elmpt mitgenommen, wo sie Heimweh bekam und beschloss, per Anhalter wieder zurückzufahren. Bei Mönchengladbach verlor sich die Spur des Mädchens, bis einige Monate später, am 19. August 1962, Schürmanns Leiche mit Würgemalen auf einem abgelegenen Feldweg in der Nähe der Autobahn A 2 bei Bielefeld von einem Pilzsammler gefunden wurde. Obwohl in der folgenden Zeit intensiv nach dem Mörder des Mädchens gefahndet wurde und schließlich auch 1968 in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst mit Eduard Zimmermann die Öffentlichkeit um Hilfe gebeten wurde, konnte der Täter bisher nicht ermittelt werden. Die Suche der Polizei nach dem Täter blieb auch Jahre nach dem Verbrechen ergebnislos.

MITTIG

Borbeck. Christine Lochner (7) war am Mittwoch, dem 3. Juli 1963, nach der Schule nicht zurückgekehrt und auf dem Panzerbaugelände in Borbeck einem Stadtteil von Essen verschwunden. Christine wollte, wie sie einer Freundin sagte, noch ein paar Blumen pflücken, für die Mutter. Sie wählte deshalb den Weg durch das Panzerbaugelände. Als die Kinder sich trennten, muss es 13 Uhr gewesen sein. Die Familie wartete bis 15 Uhr. Dann halfen Nachbarn und viele Kinder bei der Suche nach der Siebenjährigen. Gegen 22 Uhr wurde die Polizeiwache in Bergeborbeck informiert. Wegen eines Gewitterregens wurde die Suche abgebrochen. Um Sieben Uhr am nächsten Morgen begann die Suche erneut. Ein Nachbar fand dann zusammen mit einem Polizisten die Leiche des Mädchens. Im Gras lag das Kind, mit dem Gesicht zur Erde. Der Schulranzen war noch auf ihrem Rücken befestigt. Neben der Siebenjährigen lagen ein paar Blumen. Christine Lochner wurde missbraucht und mit Fetzen des Unterrocks brutal erdrosselt, nur etwa 150 Meter von ihrem Zuhause entfernt. Der Mörder ist bis heute nicht ermittelt.

Hannover. Von dem Mord an der Prostituierten Hildegard Wiegiekalla (46) ist nicht viel bekannt. Die Tatzeit war der 14. Dezember 1963. Hildegard wurde von einem etwa 30 Jahre alten Mann in einem Hotelzimmer in der Innenstadt von Hannover ermordet. Vermutlich handelte es sich um einen Freier.

Frankfurt am Main. Vom Prostituiertenmord an Maria Weiss (30) ist ebenfalls nicht viel bekannt. Maria stammte aus Großauheim (Kreis Hanau). Mordtag war der 16. März 1964. Der Fundort der Leiche war im Frankfurter Stadtwald. Dort lag sie erschossen und teilentkleidet. Status: ungeklärt.

MITTIG

Spiekershausen. Am 23. Mai 1964 verschwand die damals 16jährige Margrit Viehmann aus Kaufungen (Hessen) und wurde kurze Zeit später ermordet. Sie hatte am Abend des Verbrechens das Tanzlokal Schillerklause in Oberkaufungen besucht. Gegen 22 Uhr machte sie sich auf den Heimweg zum Hofe der Eltern in Niederkaufungen. Doch dort kam sie nie an. Die Kasseler Kripo, die in dem Mordfall ermittelte, rekonstruierte, daß die junge Frau über die Bundesstraße (die heutige Kreisstraße) ging. Zum letzten Mal lebend gesehen wurde sie kurze Zeit später am Bahnübergang der Waldkappler Bahn. Zeugen beobachteten an dieser Stelle auch einen älteren Opel Rekord mit eingeschaltetem Abblendlicht und offenen Türen, der dort geparkt war. Später fand die Polizei dort Blut, Knöpfe von Margrit Viehmanns Bluse und den Riemen ihrer roten Tasche. Sie vermutete deshalb, daß der Mord an diesem Ort geschehen war. Zwei Tage später fanden spielende Kinder die Tasche des Opfers in der Fulda bei Spiekershausen. Fast zwei Jahre lang fehlte jede Spur von Margrit Viehmann. Dann fanden Waldarbeiter ein Skelett in der Fichtenschonung am Umschwang zwischen Nieste und Kleinalmerode. Bei der Leiche lag ein Kettchen, das Margrit getragen hatte. Kleidung wurde keine gefunden. Die Polizei wertete das als Indiz für ein Sexualdelikt. Die anschließende gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, daß die junge Frau vermutlich am Bahnübergang niedergeschlagen und dort oder an einem anderen Ort erwürgt oder erdrosselt worden war.
Im Jahr 2007 hatte die HNA (Hessische Niedersächsische Allgemeine) im Rahmen einer Serie über ungeklärte Mordfälle über das Schicksal Margrit Viehmanns berichtet. Daraufhin habe es zahlreiche neue Hinweise gegeben, sagt Kriminaloberkommissar Horst Cäsa. Leider konnten keine neuen Ergebnisse ermittelt werden. Bis heute ist der Fall nicht geklärt. Angehörige hoffen weiter, daß der Täter gefasst wird.

MITTIG

Stuttgart. Gisela Wezorke (27), war Prostituierte ohne festen Wohnsitz und alkoholabhängig. Sie hatte mehrere Zuhälter.
Ihre Leiche wurde von zwei Spaziergängerinnen am 30. Mai 1964 in Stuttgart-Plieningen, zwischen der Mittleren Fliderstraße und der Stuttgarter Gemarkungsgrenze nach Scharnhausen an einer Feldwegkreuzung gefunden. Ihre Kehle war mit einem Küchenmesser, welches sie stets mit sich führte, durchschnitten worden.
Als Motiv der Tat kann Raubmord angenommen werden, da für ein typisches Sexualverbrechen keine Anhaltspunkte vorhanden waren. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

Erlangen. In froher Runde saß Anna Margaretha Böhm (38) noch am Samstag, dem 6. Juni 1964 beim Bergfest ihrer Firma an den Erlanger Kellern unter Kolleginnen und Kollegen. Früher als ihre Tischnachbarn wollte sie aufbrechen. Als sie dabei erklärte, mit dem Omnibus bis Erlangen-Bruck zu fahren und dann den stark abkürzenden, verbotenen Weg über den Bahnkörper benützen zu wollen, wurde ihr abgeraten. Das Angebot einer Frau, sie im Wagen nach Hause zu bringen, lehnte sie ab und entfernte sich unauffällig. Dennoch versuchten Kollegen, sie noch in Bruck am Omnibus zu erreichen. Der Überfall auf die Kontoristin dürfte etwa 250 Meter westlich der Regnitzbrücke dieser eingleisigen Bahnstrecke begonnen haben. Dort befindet sich eine Flutbrücke. Schwere Schläge trafen Kopf und Schulter. Trotz starker Benommenheit muss sich das Opfer noch bewegt haben. Der Mantel wurde von hinten heruntergezerrt. Erst der Würgegriff des Täters machte die Frau wehrlos. Der Leichnam wurde die Strecke bis zum Fluss zurückgeschleppt und von der Regnitzbrücke in das Wasser geworfen, wo ihn dann am Sonntagnachmittag Polizisten entdeckten. Sie starb nicht an den tödlichen Schädelverletzungen sondern durch Erwürgen. Die Umstände der Tat scheinen klar für ein Triebverbrechen zu sprechen. Den letzten schlüssigen Beweis dafür erbrachten die gerichtsmedizinischen Untersuchungen an der Leiche, die fast einen ganzen Tag im Wasser der Regnitz gelegen war, bisher nicht. Es muss aber beachtet werden, wie spärlich die Leiche noch bekleidet war. Von Unterwäsche, einer zerbrochenen Halskette und dem blutverschmierten Mantel abgesehen fehlt die Kleidung, die sie zuletzt trug. Auch die Handtasche wurde noch nicht gefunden. Mit Nachdruck wird festgestellt, daß der Leumund der 38jährigen ledigen Kontoristin aus Frauenaurach ausgezeichnet ist. Sie wird auch als sehr fleißig und zuverlässig geschildert, nicht nur im Beruf, sondern ebenso zu Hause bei ihren betagten Eltern. Außerdem war sie ein kräftiger, sportlicher Typ ohne Furcht. Die 5.000 DM, die auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt sind, setzen sich aus verschiedenen Beiträgen zusammen. Je 2.000 DM geben das bayerische Landeskriminalamt und die Brucker Firma, in der die Ermordete früher arbeitete. 1.000 DM steuert Landrat Beckh für den Landkreis bei.

MITTIG

Mülheim. Am Morgen des Dienstag, den 30. März 1965, erscheint die 56jährige Volksschullehrerin Luise Stöcker aus Mülheim an der Ruhr nicht zum Unterricht an ihrer Schule im Stadtteil Broich. Das Fernbleiben der sonst sehr zuverlässigen Frau – sie hat in den 20 Jahren, die sie an dieser Lehranstalt arbeitet, an keinem einzigen Tag gefehlt – macht den Schulleiter sofort misstrauisch. Die gerufene Polizei findet Luise Stöcker tot in ihrem Badezimmer auf, sie wurde mit einer vollen Flasche Wasser niedergeschlagen und dann erwürgt. Diese Tat ist bis heute ungeklärt.
Montag, 29. März, der Tag zuvor: Luise Stöcker war vormittags wie üblich in der Evangelischen Volksschule an der Bülowstraße, an der sie bereits seit dem 1. April 1946 als Lehrerin tätig ist. Nach dem Unterricht an diesem Tag macht sie noch einige Erledigungen in der Stadt. Gegen 17.30 Uhr kommt sie nach Hause. Hier gehört es zu einem festen Ritual, daß sie sich abends noch eine Kanne Kaffee kocht. In der Vorbereitung dieses Kaffees muss Luise Stöcker gestört worden sein. Die Spuren, die die Kriminalpolizei später bei ihren Ermittlungen an der Großenbaumer Straße 55 findet, deuten nicht auf einen Raub- oder Sexualmord hin. Erst die Obduktion am Tag darauf bringt die Gewissheit, daß Luise Stücker erdrosselt wurde. Der Mörder muss im engeren Umfeld der Getöteten zu finden sein: Luise Stöcker hat ihm scheinbar selbst die Tür geöffnet. Auf dem Tisch im Wohnzimmer stehen zwei Gläser und mehrere Flaschen. Ansonsten erscheint es so, als habe jemand versucht Spuren zu verwischen; so befinden sich zwar Aschereste im Aschenbecher, etwaige Zigarren- oder Zigarettenstummel sind aber nicht auffindbar. Die Rolläden sind mit einer Ausnahme heruntergelassen, in der Wohnung brennt aber keinerlei Licht. Neben der Toten finden die ermittelnden Beamten zwei Taschentücher: eines davon kann zweifelsfrei der Lehrerin zugeordnet werden und auch bei dem anderen mit den aufgestickten Initialien M.M. geht die Polizei 1965 davon aus, daß es nur Frau Stöcker benutzt habe. Erst zehn Jahre später kann mit damals neueren wissenschaftlichen Methoden eine Spur der Blutgruppe A am Taschentuch nachgewiesen werden. Da Luise Stöcker Blutgruppe 0 besaß muss also außer ihr noch jemand anderes das Tuch benutzt haben. Der Mord an Luise Stöcker ist immer noch ungeklärt. Zur Ergreifung des Täters sind 5.000 DM Belohnung ausgesetzt worden.

MITTIG

Bregenz. Fest steht, daß der Wertpapierspezialist Josef Gaum am 3. Mai 1965 am späten Nachmittag sein Büro in der Rheinischen Hypothekenbank verlassen, wenig später bei einem anderen Mannheimer Geldinstitut 20.000 DM von seinem Konto behoben und in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1965 auf der Autobahn Seckenheim-Heidelberg mit seinem Opel Kapitän einen Unfall hatte, der von einer zufällig vorbeikommenden Polizeistreife aufgenommen wurde. Am Tag nach seinem Unfall in Heidelberg hat Josef Gaum in Stuttgart einen Fiat 1800 gekauft. Die Gattin von Gaum, Inger, ist seit diesem 3. Mai 1965 verschwunden. Gaum selbst lebte (das wurde erst durch die XY-Sendung vom 24. Januar 1969 aktenkundig) vom 16. Mai 1965 bis 23. Dezember 1965 mit einer jungen Frau in Tarrenz/Tirol – diese Lebensgefährtin namens Ottilie T. wurde im Juni 1966 Mutter einer Tochter, der leibliche Vater soll Josef Gaum sein, dessen Leiche am 28. März 1966 in Bregenz aus dem Bodensee geborgen wurde.

Mühlheim am Main. Auch vom Mord an der 43jährigen Prostituierten Gisela Wachau ist nicht viel bekannt. Gisela stammte aus Berlin. Wie sie an den späteren Tatort gekommen ist, ist unbekannt. Gisela Wachau wurde am 24. November 1965 am Waldrand von Mühlheim, bedeckt mit einem roten Mantel tot aufgefunden. Sie trug einen Entlassungsschein des Arbeitshauses Brauweiler bei Köln bei sich, aufgrund dessen sie identifiziert werden konnte.

MITTIG

Frankfurt am Main. 1966 wurde die Prostituierte Helga Matura (32) erstochen. Die Boulevard-Presse überschlug sich mit vermufft-lüsternen Berichten. Ihr Fall erinnert frappierend an die Ermordung der Rosemarie Nitribitt. Aufgeklärt wurden beide Fälle nie. Helga Matura, genannt Karin, ist seit neun Jahren die ungekrönte Königin der Frankfurter Nächte. Sie ist die zweite Nitribitt, schrieb die Quick in einer Reportage nach der Ermordung der Prostituierten. Großtönend fuhr die Illustrierte fort: Nur – sie hat mehr Format. Sie ist noch schöner. Noch begehrenswerter. Und noch lasterhafter. In der Nacht des 27. Januars 1966 hatte jemand der 32jährigen in ihrer Wohnung in der Gutleutstraße 85 von hinten ein Stilett gezielt in den obersten Halswirbel gestochen. Der brutale Mord beherrschte damals die Spalten der Boulevardpresse. So erfuhr man, daß sie sich in die wunderbare braune Haut ihres rechten Oberschenkels die Initialen ihres adligen arabischen Verehrers hatte stechen lassen. Doch zu einer Legendenbildung, wie bei der 1957 erwürgten Rosemarie Nitribitt kam es bei ihr nicht. Der Tod der schönen Sünderin, wie der Stern sie nannte, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Ihr Mörder wurde nie gefunden, auch die Tatwaffe nicht. Ermittlungspannen wie bei der Nitribitt sind aber keine überliefert. Helga Maturas Verlobter, der blonde Rainer, mit dem sie ein bürgerliches Leben fern der Prostitution beginnen wollte und zu diesem Zweck bereits einmal in Starnberg auf Wohnungssuche war, hatte ein Alibi. Auch Raubmord schied aus – die Matura verwahrte nie viel Bargeld bei sich. So hat das, was die 09:54 28.09.2025SZ am 10. Februar 1966 schrieb, immer noch viel für sich: Nachdem jedoch bekannt geworden ist, daß es in dem Luxusappartement häufig zu masochistischen Handlungen kam, verstärkt sich der Verdacht, daß Helga Matura das Opfer eines anomalen Triebmörders geworden sein könnte.

MITTIG

Augsburg. Aber am Abend des 23. Mai 1966 stieg unweit vom örtlichen Bahnhof die Prostituierte Hedwig (Heidi) Saschnew(39) in das Auto des US-Sergeanten Leonhard Patrick Constantine. Am folgenden Nachmittag wurde die Beifahrerin erwürgt auf einer Wiese gefunden. Constantine, der bereits 1963 eine Dirne überfallen und 1964 eine andere hart bedroht hatte, sagte gar nichts. Der Staatsanwaltschaft reichten die Indizien gegen ihn für eine Anklage nicht aus.

Berlin. Wohl nur wenige Mordfälle haben in Berlin ein solches Medienecho erfahren wie der von Luise Nährlich. Denn er hatte alles, was so einen Fall spannend macht: Rotlichtmilieu, Prostitution, einen prominenten Mordverdächtigen – und ein Geheimnis, denn er wurde nie aufgeklärt. Die Prostituierte Luise Nährlich (48) war am 25. Juli 1966 nahe der Kongresshalle, dem heutigen Haus der Kulturen der Welt, im Tiergarten erwürgt worden. Aufgrund von Zeugenhinweisen geriet schon bald ein bekannter Berliner Kabarettist unter Verdacht. Der Fall beschäftigte die Berliner Blätter sehr, kämpfte der Mann doch um seine Freiheit und seinen Ruf. Doch während sich die Staatsanwaltschaft kurz nach dem Mord auf Grund einer Zeugenaussage einer anderen Prostituierten sicher fühlte, den Richtigen zu haben, musste sie genau ein Jahr nach dem Mord die Einstellung des Verfahrens verlangen: Das Ergebnis der monatelangen Ermittlungen reiche nicht aus, um eine Anklage zu erheben. Auch alle weiteren Ermittlungen führten bis heute zu keinem Ergebnis.

München. Erna Borgner (35) wurde am 26. Juli 1966 in ihrer Wohnung leicht bekleidet mit einem Messerstich in den Rücken ermordet aufgefunden. Ein weißer Pudel saß vier Tage lang neben ihrer Leiche. Die Polizei vermutete einen Freier als Täter. Status: ungesühnt.

MITTIG

Augsburg. Entgegen ihren Gewohnheiten öffnete am Abend des 30. August 1966 die städtische Angestellte Anneliese Ayerle (41) einem fremden Mann ihre Wohnungstür. Sie starb, sich heftig wehrend, durch ein Holzscheit, das gegen ihre Kehle gepresst wurde. Hinterher fehlten rund 200 Mark und ein goldenes Halskettchen. Bis heute ist dieser Fall ungeklärt.

MITTIG

Leonberg. Es ist der 12. August 1966, ein warmer Sonntagnachmittag, als der Eisenwerkarbeiter Anton S. aus Winkerling eine grauenvolle Entdeckung macht. Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter ist er unterwegs zu seiner Großtante Anna Brunner, die zurückgezogen in Leonberg in einem kleinen Häuschen im Kuchlweg 19 wohnt. Er will mit der 68jährigen Witwe den Ausflug zu einem Kirchenfest besprechen. Als der 35jährige gegen 15 Uhr an die Haustür tritt, wundert er sich: In der Türklinke steckt noch der Burglengenfelder Anzeiger vom Vortag. Er klingelt, doch Anna Brunner öffnet nicht. Er spricht mit den Nachbarn, doch auch diese haben die ältere Dame seit Tagen nicht gesehen. Herr S. erinnert sich an die Worte seiner Tante, die vor einigen Jahren ernsthaft krank war: Wenn sie einmal nicht die Tür öffnen würde, solle er versuchen, sich über das Schlafzimmerfenster Zutritt zum Haus zu verschaffen.
Er geht ums Haus herum und hebelt mit einer Eisenstange das Fenstergitter auf und klettert hinein. Dort bietet sich ihm ein Bild der Verwüstung: Gegenstände liegen über das ganze Zimmer verteilt, die Schränke sind aufgerissen, die Schubladen des Nachtkästchens stehen offen, das Bett ist durchwühlt. Im angrenzenden Zimmer sieht es ähnlich aus. Anton S. geht weiter in die Küche des kleinen Häuschens. Dort liegt seine Großtante Anna in einer großen Blutlache auf dem Fußboden. Neben der Leiche zwei zerschlagene Bier- und eine Weinflasche ohne Boden. Auf dem Küchenschrank finden sich zwei leere Geldbörsen. Schmuck und Sparbuch sind verschwunden, den Haustürschlüssel hat der Mörder offensichtlich mitgenommen. Wie die Obduktion später ergeben wird, wurde Anna Brunner mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen. Die Frau muss sich heftig gegen ihren Mörder gewehrt haben. Es finden sich Spuren eines Kampfes. Todesursache waren jedoch mehrere Stiche mit einem schmalen Messer oder einem Stilett. Rücken, Hals und Brust der Frau wiesen insgesamt neun Einstiche auf. Die Witwe ist innerlich verblutet. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden.

MITTIG

Hamburg. Heidi Böttcher, eine erst 20jährige Prostituierte hatte ihren Stammplatz an der Ecke Reeperbahn / Hans Albers-Platz. Sie lebte in der Talstraße 7 zusammen ihrem Mann in einem Zimmer und hatte ein weiteres Zimmer zu Prostitutionszwecken angemietet. Die junge Frau wurde am 5. September 1967 in ihrem Zimmer erwürgt aufgefunden, getötet vermutlich von einem Freier.
Ihr Ehemann, der sie gefunden hatte, wurde wegen des Verdachts der Zuhälterei in Untersuchungshaft genommen und auch deswegen bestraft. Ein Mörder wurde indes bis heute nicht gefunden.

Berlin. Über Prostituiertenmorde ist generell nicht viel bekannt. Das kann gut an der Verschwiegenheit der Freier liegen als auch an der Anrüchigkeit, die dieses Gewerbe so mit sich bringt. Auch beim nächsten Fall ist nicht viel bekannt.
Margot Borkowski (46) wurde am 5. November 1966 in einem Hinterhof in der Fennstraße in Berlin-Wedding ermordet aufgefunden. Zuletzt war sie mit einem Mann in einem Weddinger Lokal gesehen worden. Status: ungeklärt.

Frankfurt am Main. 14. November 1966, Frankfurter Flughafen. Zehn Minuten nach Abfahrt vom Flughafen steht der Taxifahrer Heinz Schlund (44) mit seinem schwarzen Citroen auf einem Seitenstreifen und wird von einem unbekannten Fahrgast mit drei Pistolenschüssen getötet. Ein Schreiner in einem VW-Käfer wird zufällig auf die Vorgänge der Tat aufmerksam und liefert sich anschließend eine turbulente Verfolgungsjagd im Offenbacher Kreisel. Der Mörder kann jedoch seinen Verfolger irgendwann abschütteln. Später versucht der Täter mit dem gestohlenen Taxi in Offenbach eine Bank auszurauben. Das Vorgehen scheitert allerdings aufgrund schussicheren Sicherheitsglas. Das Taxi wird 90 Minuten später in der Nähe vom Frankfurter Südfriedhof aufgefunden.

MITTIG

Ausgburg. Rätselhaft blieb auch der Tod der Witwe Berta Kundis (71), die am Abend des 9. September 1967 auf dem Nachhauseweg überfallen und am nächsten Morgen in einem Hinterhof gefunden wurde: erdrosselt mit ihrem eigenen rechten Strumpf. Ihre Handtasche fehlte.

Morbach. Es ist ein früher Samstagabend am 25. September 1967, als Anna Wilbert in der Nähe ihres am Ortsrand von Morbach gelegenen Hauses das letzte Mal lebend gesehen wird. Eine Bekannte Anna Wilberts hatte den Schwager gerufen, nachdem sie an diesem frühen Montagmorgen vergeblich an die Tür des alten Hauses geklopft hatte. Die beiden Frauen arbeiten gemeinsam in einer Morbacher Handschuhfabrik. Über eine an die Hauswand angelehnte Leiter steigt der Schwager gegen 6.40 Uhr in das Haus ein und macht schließlich in einem hinter der Küche gelegenen Raum die schreckliche Entdeckung. Die Leiche seiner Schwägerin liegt in einer Blutlache auf dem Boden. Anna Wilberts Kopf weist schwerste Schädelverletzungen auf. Die Obduktion in Bernkastel ergibt später, daß die 59jährige an den Folgen brutaler Misshandlungen mit äußeren und inneren Verletzungen gestorben ist. Weil in der Wohnung Kampfspuren gefunden werden, folgern die Ermittler damals, daß sich das Opfer ebenso verzweifelt wie vergeblich zu Wehr gesetzt haben muss. Als mutmaßliches Tatwerkzeug stellen die Kripobeamten einen stabilen Teekessel sicher, dessen Ausgussschnabel abgebrochen ist. Irgendwann in den Stunden vor dem Fund muss die 59jährige ihrem Mörder die Tür geöffnet haben. Oder waren es womöglich sogar zwei Täter, denen die allein lebende Frau seinerzeit gegenüberstand? Der Kriminalhauptkommissar Wolfgang Schu hält das keineswegs für ausgeschlossen. War es ein Raubmord? Ein Sexualverbrechen? Oder die Tat eines Serienkillers? Wolfgang Schu sitzt ein halbes Jahrhundert nach dem Gewaltverbrechen in seinem Büro im Trierer Morddezernat und geht die Akten seiner Kollegen von damals noch einmal durch. Es kribbelt immer, sagt der 60jährige Ermittler, die Betrachtung eines alten Kriminalfalls ist hochinteressant. Für Hinweise zum Gewaltverbrechen an Anna Wilbert hat die Trierer Kriminalpolizei eine Belohnung von 2.500 Euro ausgesetzt.

Zürich (Schweiz). Am 9. Oktober 1967 fand die Polizei den erschlagenen 31jährigen Primarlehrer Werner Seifert in seiner Wohnung im 17stöckigen Zürcher Lochergut. An den Reaktionen auf diesen Mordfall lässt sich die allgemeine Befindlichkeit gegen Homosexuelle ablesen. Zudem war hier erstmals ein Beamter das Opfer. Status ungeklärt.

MITTIG

Buckinghamshire (Großbritannien). Am 11. November 1967 verließ die 19jährige Rita Ellis ihre Unterkunft auf dem RAF‑Stützpunkt Halton, um zu einem Babysitting‑Termin innerhalb des Geländes zu gehen. Sie kam dort jedoch nie an.
Am 12. November 1967 wurde ihre Leiche im Waldgebiet Rowborough Copse auf dem Gelände von RAF Halton gefunden. Sie war sexuell angegriffen und erwürgt worden. Die Polizei stellte ein vollständiges DNA‑Profil des Täters sicher, doch trotz jahrzehntelanger Vergleiche wurde nie ein Verdächtiger identifiziert. Der Mord ist bis heute ungeklärt.

Berlin. Am frühen Morgen des 22. Februar 1968 drang ein unbekannter Täter in das Kinderheim an der Argentinischen Allee in Berlin‑Zehlendorf ein und richtete ein Blutbad an. Zwei Menschen starben, zwei Kinder wurden schwer verletzt. Die Opfer wiesen zahlreiche Stichverletzungen auf.
Der Täter war zuvor in derselben Nacht in eine nahegelegene Villa in der Limastraße eingebrochen. Dort hinterließ er eine Zigarettenkippe, die mit einer zweiten Kippe aus dem Kinderheim übereinstimmte. Die Polizei ging daher von derselben Person aus.
Im Heim verschaffte sich der Mann gegen zwei Uhr über ein Parterrefenster Zutritt. Er tötete zunächst die schlafende Erzieherin Berta Frank (51) mit mehreren Messerstichen. Anschließend betrat er ein Kinderzimmer und ermordete den fünfjährigen Peter Hunger mit 26 Stichen. In einem weiteren Zimmer verletzte er die 15‑jährige Brigitte Nieschalk und ihre Freundin Marina Lohde schwer, nachdem er einen sexuellen Übergriff versucht hatte. Danach flüchtete er und hinterließ nur Schuhabdrücke, blutverschmierte Nylonhandschuhe und die Zigarettenkippe.
Die Ermittlungen verliefen trotz großer Öffentlichkeitsbeteiligung erfolglos. Über 300 Hinweise gingen ein, doch keiner führte zum Täter. Auch die Suche nach Beziehungstaten, bekannten Sexualstraftätern oder Einbrechern blieb ohne Ergebnis. Die Polizei ging schließlich von einem Einzeltäter aus, der Merkmale eines Sexualstraftäters, Einbrechers und Gewalttäters vereinte – eine Kombination, die den Ermittlern unbekannt war. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Günzburg. Am 30. März 1968 wurde die 71jährige Wirtin Philomena Kempfle, Betreiberin der Gaststätte Zum Adler, in ihrer Wirtschaft tot aufgefunden. Ihr Mann hatte das Haus gegen 14.45 Uhr verlassen; zu diesem Zeitpunkt wurde Frau Kempfle zuletzt lebend gesehen.
Zwischen 14.45 und 15.00 Uhr muss der Täter die Gaststätte betreten haben. Mehrere Zeugen sahen um diese Zeit einen unbekannten Mann im Gastraum sitzen: etwa 35 bis 40 Jahre alt, blasses Gesicht, dunkles nach hinten gekämmtes Haar, helle Kleidung, dunkle Jacke. Ein weiterer Zeuge bemerkte einen zweiten Fremden mit breitkrempigem Hut, etwa 40 Jahre alt und hager, der sich auffällig in der Nähe des Lokals aufhielt.
Gegen 15.30 Uhr fand eine Kundin die Gaststätte unverschlossen vor und entdeckte Frau Kempfle tot hinter der Theke. Die Wirtin war vollständig entkleidet und wies zahlreiche Verletzungen auf, darunter Bissspuren an Brust und Unterleib. Die Obduktion ergab, dass sie an einem Herzinfarkt infolge eines Schocks gestorben war. Der Täter hatte anschließend 38 DM aus der Kasse und einen Ring entwendet.
Am Tatort wurden ein Fingerabdruck auf einem Bierglas sowie ein prägnanter Bissabdruck gesichert, aus dem die Zahnstellung des Täters rekonstruiert werden konnte. Der Fingerabdruck ließ sich jedoch keiner Person zuordnen. Auch die Überprüfung von Patienten des nahegelegenen Nervenkrankenhauses, Landstreichern und Vorbestraften blieb ohne Ergebnis. Ein Verdächtiger mit auffälligem Hut konnte ein Alibi vorweisen. Der Täter wurde nie identifiziert. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Augsburg. Eindeutig ein Raubmord war das Motiv für den Mord an der Witwe Franziska Schöffel (68), die am 22. Mai 1968 in ihrer Wohnung erdrosselt wurde. Die Beute der Mörder: 8.000 bis 10.000 Mark in bar, sowie eine verschlossene Kassette unbekannten Inhalts, die später aufgebrochen in einem Eisenbahnwaggon gefunden wurde.

MITTIG

Hamburg. Ursula Beier kam 1962 aus Chemnitz nach Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie aus der DDR geflüchtet und ließ ihre zwei kleinen Kinder bei ihrer Mutter zurück. In Hamburg wurde sie erneut Mutter; das Kind lebte in einem Heim. Ursula Beier (35) ging auf St. Pauli der Prostitution nach. Sie hatte ein Zimmer auf der Großen Freiheit gemietet. Sie wurde erstochen und zusätzlich wurde ihr vom Täter die Kehle durchgeschnitten. Der Täter band ihr zudem einen Ziegelstein an das rechte Handgelenk und verbrachte sie in eine Schuttkuhle in Schenefeld, wo sie von einem zwölfjährigen Mädchen und dessen Vater beim Spazierengehen am 23. Mai 1968 gefunden wurde. Die Ermittler fanden in Ursulas Zimmer einen noch nicht abgeschickten Brief an ihre Mutter. Darin schrieb sie, daß sie Angst vor ihrem Mann habe. Am 27. Mai 1968 wurde der 34 Jahre alte, wohnungslose Hafenarbeiter Bernhard M. als Tatverdächtiger festgenommen, wurde aber mangels Beweisen wieder freigelassen. Denn 1975 galt der Fall jedoch nach wie vor als ungelöst.

Oberstdorf. Mit einem Stein hat ein Unbekannter die 16 Jahre alte Josefine Ecker erschlagen. Ihre Leiche wird am 20. Juli 1968 nahe einer Straße bei Oberstdorf gefunden. Die Ermordete gilt als lebenslustig. Der Täter wird in ihrem Bekanntenkreis vermutet. Die Ermittlungen blieben aber erfolglos.

MITTIG

Lastra a Signa (Italien). Am Abend des 21. August 1968 werden die 32jährige Barbara Locci und ihr 29jähriger Liebhaber Antonio Lo Bianco in der Nähe von Lastra a Signa in ihrem weißen Alfa Romeo Giulietta erschossen. Den kleinen Sohn von Locci bringt der Doppelmörder zu einem nahe gelegenen Bauernhof, dessen Besitzer den Jungen entdeckt und die Polizei verständigt.

Bremen. Margritt Safo (28) war mit einem Ghanaer verheiratet und Mutter von drei Kindern, die in einem Heim lebten. Der Ehemann meldete die Frau am 15. September 1968 als vermisst. Dann wurde sie zwei Tage später tot in ihrem Ford 17 M auf einem Parkplatz in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs aufgefunden. Sie lag zwischen Vorder- und Rücksitz unter einer Decke. Der Täter hatte sie bewusstlos geschlagen und mit einem Handtuch geknebelt, sodaß sie daran erstickte. Ein Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Augsburg. Anneliese Schütz (34) starb, mit einem Strumpf erdrosselt, am 22. September 1968 zweieinhalb Kilometer vom Stadtrand Augsburgs entfernt in einem Wäldchen, das dem Fürsten Fugger gehört. Sie war, im Gefolge einer US-Einheit, aus München nach Augsburg gereist. Ein Spaziergänger sah ihre Beine aus einem Kanalrohr hängen. Die Landespolizei prüfte 83 Spuren, vergebens.

MITTIG

Kempten. Am Freitag, dem 25. Oktober 1968, sitzt Rosemarie Balk mit einer Freundin im Café Europa in Kempten. Gegen 17.00 Uhr setzt sich ein unbekannter Mann an den Tisch und beginnt ein Gespräch mit Rosemarie Balk. Sowohl die Freundin als auch der Kellner berichten, sie hätten das Gefühl gehabt, Balk hätte den Mann bereits gekannt. Die wenigen aufgeschnappten Gesprächsfetzen bestätigen das nicht. Die Freundin berichtet über eine Einladung in die Schweiz, sie meinte es wäre auch das Wort Zürich dabei gefallen. Ein weiteres Treffen wird für den nächsten Vormittag ausgemacht. Rosemaria Balk und ihre Freundin suchen am nächsten Tag wieder das Café auf, kommen jedoch 30 Minuten zu spät. Der Mann ist schon weg. Rosemarie Balk kennt aber seine Adresse und Telefonnummer, wie sie sagt und könnte ihn ja kontaktieren. Nachmittags fährt Frau Balk nach Ravensburg, wo sie sich mit einem Freund trifft. Zusammen mieten sie sich in einem Gasthof ein. Am Sonntag, dem 27. Oktober, trennt sie sich gegen 17.00 Uhr von ihrem Freund und versucht, die 70 km nach Kempten als Anhalterin zurück zu fahren. Dort will sie am nächsten Morgen eine Arbeit in einer Werbekolonne aufnehmen. Wie weit sie gekommen ist, steht nicht genau fest. Sicher ist, daß sie gegen 19.00 Uhr von einem Fahrer eines roten Opel Kadett von Ravensburg bis zu einem Gasthaus in Dürnast kurz vor Wangen mitgenommen worden ist. Danach fehlt in der Rekonstruktion ihres Weges ein kurzes Stück. Gegen 20.00 Uhr wird sie am Stadtrand von Wangen von einem Ehepaar gesehen, wie sie in einen PKW einsteigt. Die Zeugen glauben, sich an ein Kennzeichen mit den Buchstaben RV-KY… zu erinnern. Am Ziel ihrer Reise, in Kempten ist Rosemarie Balk nie angekommen. Aus einem unbekannten Grund muss sie noch einmal nach Ravensburg zurück gekommen sein, denn am nächsten Morgen um 8.30 Uhr wird sie vom Fahrer der Städtischen Müllentsorgung am Ortsausgang Ravensburg gesehen. Der Mann, der sie persönlich kennt, beobachtet, wie die Frau in der Nähe einer Tankstelle auf und ab geht. Er hat den Eindruck, daß sie auf jemanden wartet. Seitdem hat niemand mehr Rosemarie Balk lebend gesehen. Am 13. November 1968 fällen Waldarbeiter in der Nähe von Buchenberg bei Kempten mehrere Bäume. Dabei finden sie die tote Rosemarie Balk. Sie wurde mit einem kurzen Strick erwürgt. Die Untersuchungen ergeben, daß der Tod vor etwa vier Tagen eingetreten ist und daß sie erst nach der Tat an die Fundstelle transportiert wurde. Nachdem der Müllfahrer sie gesehen hat, muss sie noch zwölf Tage gelebt haben. Wo Frau Balk in den zwölf Tagen gewesen ist, das ist die entscheidende Frage. Nachdem alle Veröffentlichungen in Kempten und Ravensburg nicht zur Beantwortung dieser Frage geführt haben, glaubt die Polizei, daß die Ermordete in diesen Tagen tatsächlich mit dem Unbekannten aus dem Café in der Schweiz oder in Österreich gewesen ist. Frau Balk hat sich schon früher mehrmals in beiden Ländern aufgehalten. Es ist keineswegs gesagt, daß der Fremde aus dem Café der Täter ist. Es ist durchaus möglich, daß er von der Ermordung nichts erfahren hat. Es wurde eine Belohnung von 2.000 DM ausgesetzt.

Augsburg. Am frühen Morgen des 17. Dezember 1968 stieg ein Mann in das ebenerdige Küchenfenster der Rentnerin Hildegard Degenhart (74), ergriff eine Schneiderschere und durchbohrte damit der im Bett liegenden Frau das Stirnbein. Ein sexuelles Motiv schien ausschlaggebend zu sein. Der Kripo-Chef gab zu bedenken, daß der Täter das Federbett ...hoch über ihren Kopf schob, unten war alles frei... Der Fall ist seitdem ungeklärt.

MITTIG

Drage. Ulrike Burmester (14) ist am 14. Mai 1969 auf dem Heimweg nach Adendorf (nördlich von Lüneburg) nach einer Nachhilfestunde auf dem Kreideberg verschwunden. Angehörige melden die Schülerin als vermisst. Die Leiche der 14jährigen wird am 27. Mai aus der Elbe bei Drage geborgen. Der Täter hatte die Tote mit einem Stein beschwert und versenkt. Sie war vor ihrem Tod missbraucht worden.

Augsburg. Am 14. Mai 1969 verließ in aller Frühe die Schwesternschülerin Elisabeth Vopper (20) das Kinderkrankenhaus Josefinum, um einen Spaziergang zu machen. Das unberührte Mädchen, dessen einzige Leidenschaft das Wandern war, kam gegen 7.00 Uhr in einem beliebten Ausflugswäldchen an. 500 Meter jenseits der Stadtgrenze stand ein Mann mit einem blauen Fahrrad, der durch ein Fernglas in Richtung Augsburg blickte. Um 11.00 Uhr wurde die Leiche in einem Gebüsch entdeckt. Der Täter hatte Elisabeth Vopper bis auf eine Strickjacke entkleidet, ihre Halsschlagader durchstochen und sie erwürgt, sich aber nicht an ihr vergangen.
Die Beamten wurden lediglich gewahr, daß es mehr blaue Fahrräder gab, als sie angenommen hatten. Obschon der Winzling, ein ungewöhnlich kleiner, mit wackliger Gangart und nach vorn hängendem Oberkörper viel präziser beschrieben wurde als alle Täter vor ihm, brachte auch diese Fahndung bislang nur eine Menge Hinweise auf Kleine und Gebrechliche.

Henrichenburg. Was am 14. Juli 1969 passiert ist, geht Heinz-Georg Oelmann immer noch nah. Der damals 22jährige sitzt am Schreibtisch der Filiale der Spar- und Darlehenskasse an der Dortmunder Straße in Henrichenburg. Ein Mann betritt die Bank. Der fiel sofort auf. Er hatte überall Pflaster im Gesicht, erinnert sich Oelmann. Der Bankangestellte ist mitten in einem Kundengespräch am Telefon. Wie versteinert bleibt der fremde Mann mit dem beklebten Gesicht hinter der großen Schalterquittungsmaschine stehen. Oelmann legt den Hörer auf, geht nach vorne zum Schalter, will den auffälligen Mann bedienen. Doch dazu kommt es nicht, er blickt in den Lauf einer Pistole. Mir war sofort klar, was er wollte. Er hat nichts gesagt. Ich beruhigte ihn und versicherte, daß er das Geld bekommt. In der Kasse befinden sich zu diesem Zeitpunkt 6.400 Mark. Zu wenig für den Täter. Kein Kleingeld! Wo ist der Tresor?, so berichtet Oelmann. Nun wird auch der damalige Bankdirektor Josef Lattmann auf den Überfall aufmerksam. Der Bankräuber ändert seinen Plan, verliert das Interesse am Tresor und flüchtet mit den Geldscheinen aus der Bank. Bankdirektor Lattmann greift seine Pistole und verlässt mit Oelmann über den Hinterausgang das Bankgebäude. Es kommt zu einem Schusswechsel auf dem Parkplatz. Oelmann berichtet weiter: Mein Chef rief: Hände hoch oder ich schieße! Der Bankräuber zeigt sich von dieser Warnung unbeeindruckt, lässt von seinem Moped ab und läuft mit gestreckter Pistole auf Oelmann und Lattmann zu. Es fällt ein Schuss. Lattmann fällt um und ist sofort tot. Der Bankräuber geht zurück zu seinem Moped, dreht sich um und schießt auf Oelmann. Der Schuss verfehlt ihn nur knapp und schlägt 30 Zentimeter neben seinem Kopf in das Mauerwerk ein. Oelmann: So etwas vergisst man sein Leben lang nicht mehr. Der Mörder flieht mit seinem Krad auf der B235. Ein anderer Motorradfahrer hat die Schüsse mitbekommen und nimmt die Verfolgung auf. Als er auf gleicher Höhe ist, zieht der Bankräuber erneut die Waffe und schießt auf den Verfolger – ein Steckschuss in der Lunge. Der Täter kann mit der Beute entfliehen. Eine Großfahndung, ein Aufruf bei Aktenzeichen XY und die eingesetzte Sonderkommission bleiben ohne Erfolg, vom Täter fehlt jede Spur – bis heute. Eine Belohnung in Höhe von 9.000 DM wird ausgesetzt.
Nur einen Tag später steht Oelmann schon wieder hinterm Bankschalter: Ich musste einfach was zu tun haben, zu Hause wäre ich wahnsinnig geworden. Die erste Zeit war schlimm für ihn: Ich hatte Angst abends vor die Tür zu gehen. Eine psychologische Betreuung oder andere Maßnahmen, wie man sie heute macht, gab es noch nicht. Die Bilder hatten sich in sein Gedächtnis eingeprägt. Er ist sich sicher: Wenn ich den Täter auf der Straße gesehen hätte, hätte ich ihn sofort identifiziert. Egal, ob das zehn Jahre später gewesen wäre. Damit ist Oelmann aber nicht alleine, es scheint Mitwisser zu geben. Bis Ende der 1970er Jahre gingen bei der Bankfiliale regelmäßig Anrufe ein. Oelmann: Die Forderung war immer gleich: Gib mir 10.000 Mark und ich sage dir, wer der Mörder ist. Unklar ist, ob es sich bei diesen Anrufen um einen unbedachten Streich handelt, oder ob manche Menschen wirklich mehr wissen.

MITTIG

Gelsenkirchen. Der 18jährige Siegfried Kloß lebte 1969 noch bei seinen Eltern und arbeitete als Schlepper im Bergwerk. Am Abend des 19. Juli war er mit Freunden unterwegs, trennte sich jedoch kurz nach Mitternacht von der Gruppe und ging nach Hause. Dort zog er seinen besten Anzug an, nahm etwa 70 DM mit und verließ das Haus erneut. Wohin er wollte, ist unklar.
Am folgenden Montag wurde er im Kaufhaus am Essener Hauptbahnhof von Bekannten gesehen. Er erklärte, er sei von zuhause weggegangen und habe im Bahnhof übernachtet. Geld hatte er kaum noch. Danach verliert sich seine Spur erneut.
Am selben Abend, rund 200 Kilometer entfernt, wurde ein junger Mann mit einem Reservekanister nahe Rüscheid gesehen. Ein Ehepaar nahm ihn ein Stück mit. Der Mann wirkte wortkarg und gab an, mit anderen unterwegs zu sein; das Fahrzeug habe Probleme mit dem Kühlwasser. Die Polizei geht davon aus, daß es sich um Siegfried Kloß handelte.
In den folgenden Tagen kam es in der Region zu mehreren Einbrüchen, bei denen unter anderem eine Milchkanne gestohlen wurde. Die Ermittler vermuteten, daß Kloß mit den Tätern unterwegs war.
Am 25. Oktober 1969 fanden Landwirte bei Leutesdorf eine skelettierte Leiche im Gras. Es war Siegfried Kloß. Neben ihm lag der Deckel einer Milchkanne – mit diesem Gegenstand war er erschlagen worden. Weitere Spuren gab es nicht.
Eine Belohnung von 5.000 DM brachte keinen Hinweis. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Rüdesheim. Hans Herbert Kroeger (41) war ein Düngemittelhändler, der es in Brasilien zu erheblichem Wohlstand brachte. Nach fast 20 Jahren Aufenthalt in Brasilien kam er am 24. August 1969 mit dem Lufthansa-Flug LH 507 aus Rio de Janeiro zurück nach Frankfurt am Main. Am 28. August eröffnete er in Frankfurt ein Konto und zahlte 180.000 DM ein, von denen er sich 30.000 DM in bar aushändigen ließ. Seiner Frau, einer Flugbegleiterin, kaufte er einen wertvollen Brillantring für 1.900 DM und seiner Schwester, einer Taxifahrerin in Lübeck, für 25.000 DM einen Mercedes nebst Lizenz. Kroeger hatte am 5. September ein Treffen mit fremden Männern in einem Restaurant am Frankfurter Flughafen, bei dem es offensichtlich um Geschäfte ging. Nachdem sie sich getrennt hatten – u.a. hatte Kroeger einem von ihnen seinen schwarzen Hartschalenkoffer überreicht – erschien er erneut in diesem Lokal und sprach den arbeitslosen Schauspieler Klaus Andreas an. Die beiden Männer freundeten sich schnell an und fuhren gemeinsam nach Mainz, wo sie in einem Hotel übernachteten. Am nächsten Morgen, dem 6. September, deponierte Kroeger im Hauptbahnhof Mainz seinen Koffer im Schließfach und gab seinem neuen Freund aus Gefälligkeit 800 DM. Ihm sagte er, er wolle sich mit einem seiner Gesprächspartner aus dem Frankfurter Flughafen Restaurant erneut in Mainz treffen. Aber auch mit Klaus Andreas verabredete er sich an jenem Tag gegen 18.00 Uhr im Mainzer Bahnhofsrestaurant. Hans-Herbert Kroeger nahm sich anschließend ein Taxi und wurde danach nicht mehr gesehen.
Am 10. September wird Hans Herbert Kroegers Leiche aus dem Rhein bei Rüdesheim geborgen – erschossen. Während die Ermittler herauszufinden versuchen, warum Hans Herbert Kroeger zu Tode kam, versuchte ein Fremder am 19. September mit Kroegers Schließfachschlüssel am Mainzer Hauptbahnhof das Schließfach zu öffnen. Da aber die Lagerfrist abgelaufen war, ließ er sich den Koffer von einem Bahnbediensteten aushändigen und zahlte 13 DM Nachgebühr. Sechs Wochen später wurde in einem Schließfach im Frankfurter Hauptbahnhof der schwarze Koffer gefunden und darin der Hartschalenkoffer, den Kroeger einem der fremden Männern übergab. Monate später wurde der brasilianische Fremdenpass Kroegers in einem Hotel in Rüdesheim bei Renovierungsarbeiten gefunden. Das Lichtbild war entfernt worden. Zur Aufklärung des Falls ist eine Belohnung von 6.000 DM ausgesetzt.

Augsburg. Am 19. September 1969 wurde die 76jährige Tabakwarenhändlerin Maria Ganser in ihrem Wohnzimmer in Augsburg mit bloßen Händen erwürgt. Die Beute des Täters war vermutlich gering. Dieser Mord reiht sich in eine Serie von ungeklärten Frauenmorden in Augsburg zwischen 1968 und 1969 ein. Trotz intensiver Ermittlungen konnten weder der Mord an Maria Ganser noch die anderen Fälle aufgeklärt werden.

Diessenhofen (Schweiz). Am 22. September 1969 wurde im Hochrhein bei Diessenhofen die Leiche des 56jährigen Friseurmeisters Josef Löw aus Selbitz geborgen. Der Mann war vollständig bekleidet, trug 120 DM bei sich sowie einen Schließfachschlüssel des Bahnhofs Konstanz und eine Schiffsrückfahrkarte. Äußere Verletzungen waren zunächst nicht erkennbar.
Die Uhr des Toten stand auf den 16. September, doch aufgrund der Laufreserve musste Löw bereits am 15. September gestorben sein. Die Fahrkarte war jedoch am 16. September gelocht worden. Kurz darauf stellte die Polizei fest, dass Löw stranguliert worden war. Ein Unfall oder Suizid wurde ausgeschlossen.
Über das Schließfach in Konstanz konnte Löw identifiziert werden. Sein Gepäck enthielt einen feuchten Waschlappen, der keinem Hotel und nicht ihm selbst gehörte – ein Hinweis auf eine Reinigung nach der Tat.
Löw hatte seine Familie am 3. August ohne Ankündigung verlassen und war über mehrere Wochen allein durch die Schweiz und Süddeutschland gereist. Er hielt sich längere Zeit in Zürich, Lindau und Konstanz auf, wechselte mehrfach die Unterkunft und verließ seine Hotels täglich früh am Morgen. Häufig besuchte er die Insel Reichenau. Sein Verhalten wirkte auf Zeugen auffällig und unstet.
Am 15. September bezahlte Löw sein Zimmer im Hotel Krone in Konstanz und verließ das Haus in anderer Kleidung als zuvor. Ob er selbst sein Gepäck ins Schließfach brachte, blieb ungeklärt. Ein Brief, den er kurz zuvor im Hotel erhalten hatte, wurde nie gefunden.
Die Gerichtsmedizin ergab, daß Löw in einem geschlossenen Raum getötet worden sein muss. Das Wasser in seiner Lunge stammte aus einer Wasserleitung, nicht aus dem Rhein. Zudem wies er schwere Verletzungen im Genitalbereich auf, die teils nach dem Tod entstanden waren. Der Täter muss Löw abgewaschen, angekleidet und anschließend in den Rhein geworfen haben, da an der Kleidung keinerlei Blutspuren gefunden wurden.
Die gelochte Schiffskarte gilt als falsche Spur, vermutlich vom Täter plaziert. Der Mord ist bis heute ungeklärt. In der Schweiz ist das Verfahren inzwischen verjährt.

Ratingen. Am Abend des 10. Oktober 1969 verschwand der Erkrather Gymnasiast Michael Schmeide (16) spurlos. Sein Mofa wurde im Neandertal gefunden, alles deutete auf einen Unfall hin. Drei Wochen später fiel seine unbekleidete Leiche in der Grube Osterholz der Kalkwerke Oetelshofen von einem Abhang.
Es war ein düsterer Novembertag, um vier Uhr nachmittags. Im Büro der Kalkwerke Oetelshofen klingelte das Telefon. Ein Mitarbeiter aus dem Steinbruch war an der Leitung. Der Mann war ganz aufgelöst und hat uns erzählt, daß gerade eine Leiche gefunden wurde, erinnert sich Seniorchef Hermann Iseke noch ziemlich genau an den 1. November 1969. An diesem Tag sollte die Suche nach einem vermissten Schüler aus Erkrath eine spektakuläre Wende nehmen.
Der Fall hatte – wie so oft bei Kapitalverbrechen – drei Wochen zuvor mit einer Vermisstenmeldung begonnen. Der 16jährige Erkrather Gymnasiast Michael Schmeide war mit seinem Mofa nach Mettmann gefahren, um dort Freunde in einer Diskothek zu treffen. Seine Mutter wird sich später erinnern, daß ihr Sohn in einem Trenchcoat, einem weißen Pulli mit Stehkragen, einer hellen Cordhose und braun-roten Schuhen das Haus verlassen hat. Seine Freunde haben ihn noch am frühen Abend auf dem Mettmanner Marktplatz gesehen, danach verlor sich die Spur. Das Mofa des Teenagers wurde am nächsten Morgen auf der Straße zwischen Mettmann und Erkrath in der Nähe der Firma ERWEPA am Straßenrand gefunden. Der Rückspiegel war abgebrochen, vom Fahrer allerdings fehlte jede Spur. Schleifspuren in der Nähe des Mofas ließen die mittlerweile eingeschaltete Kriminalpolizei vermuten, Michael Schmeide könnte gestürzt sein. Und dennoch standen die Ermittler vor einem Rätsel. War der Sohn eines Düsseldorfer Geschäftsmannes von zuhause ausgerissen? War er einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Seinen Klassenkameraden vom Mettmanner Konrad Heresbach-Gymnasium hatte der 16jährige noch am Nachmittag gesagt, er wolle nur kurz in die Diskothek und dann nach Hause zum Abendessen. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen.
Am Abend des 10. Oktober 1969, an dem Michael Schmeide spurlos verschwand, lag ein schwerer Herbstnebel auf den Straßen. Alles sprach für einen Unfall, aber wo war der vermisste Schüler? In den folgenden Tagen meldete sich ein Zeuge, der beobachtet hatte, wie ein Lkw-Fahrer mit hoher Geschwindigkeit aus der Straße Am Wiesengrund am Goldberg auf die Hauptstraße einbog. Mehrfach Beinahe-Verkehrsunfälle verursachend, habe der seine Fahrt in Richtung Neandertal fortgesetzt. Die Analyse der Lackspuren am Mofa des vermeintlichen Unfallopfers hatte zuvor ergeben, das es sich um einen capriblauen Hanomag-Laster mit Plattschnauze des Typs F45, F65 oder Matador mit Plane gehandelt haben könnte. Drei Wochen lang blieb die Suche nach dem vermissten Gymnasiasten erfolglos. Bis zum besagten Novembertag, an dem im Steinbruch der Kalkwerke Oetelshofen die Leiche eines Jugendlichen entdeckt wurde. Schnell stand fest, daß es sich bei dem Toten um Michael Schmeide handelt. In der Nähe des Fundortes hatte es an diesem Tag eine Sprengung gegeben, erinnert sich der damalige Betriebsleiter der Kalkwerke Oetelshofen Rüdiger Peil.
Die Düsseldorfer Mordkommission wird die Geschehnisse später so rekonstruieren: Vermutlich wurde der 16jährige auf dem Heimweg von Mettmann nach Erkrath im Neandertal von einem Lastwagen angefahren und schwer verletzt. Der unbekannte Fahrer zog den Jungen nackt aus und legte ihn im Gebüsch des Steinbruchs ab, wo er später starb. Durch die Erschütterungen der Sprengungen ist das Opfer über den Abhang auf die Straße gerutscht, wo ein Arbeiter den völlig entkleideten Schüler fand. Die Suche nach der Kleidung des Jungen blieb erfolglos. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, wurden später immer wieder Zeugen befragt und mehr als 250 Fahrzeuge überprüft. Man ging davon aus, daß der Unfallfahrer ortskundig gewesen sein muss und sein Opfer absichtlich an dem zehn Kilometer entfernten Steinbruch abgelegt hat.


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